Fachbegriffe wie CPO, EMP, Roaming oder Plug & Charge sind kurz und verständlich in unserem Glossar erklärt.
Wie der Ladestrom-Markt funktioniert
Anders als bei Benzin gibt es beim Laden nicht einen Preis pro Liter, sondern zwei Firmen, die mitverdienen: der CPO (dem die Säule gehört) und Ihr EMP (bei dem Sie den Vertrag haben). Der EMP verhandelt mit vielen CPOs Preise aus und bündelt sie zu Ihrem Tarif. Deshalb kann dieselbe Säule je nach genutzter Ladekarte unterschiedlich viel kosten – ein Detail, das Neulinge oft überrascht.
Für Sie ist das eigentlich eine gute Nachricht: Sie sind nicht an einen Anbieter gebunden. Mit der richtigen Ladekarte haben Sie Zugriff auf nahezu die gesamte Ladeinfrastruktur in Deutschland und Europa – und können frei wählen, welcher EMP für Ihren Alltag am günstigsten ist.
Achtung, Autohaus-Falle: Beim Kauf bekommen viele automatisch den Ladetarif des Herstellers angedreht (z. B. „We Charge“, „Mercedes me Charge“, „Plug&Charge“-Pakete). Diese sind bequem, aber oft teuer und selten die günstigste Wahl. Sie sind zu nichts verpflichtet: Ein Wechsel zu einem passenden EMP-Tarif ist jederzeit möglich und spart im Alltag bares Geld.
Welcher Tarif passt zu mir?
Den einen „besten“ Tarif gibt es nicht – es kommt darauf an, wie Sie leben und fahren. Die Faustregel: Wer viel zu Hause lädt, braucht kaum einen teuren Tarif. Wer viel unterwegs schnelllädt, spart mit einem Abo. Finden Sie sich wieder:
🏡 Pendler mit Wallbox
Feste Strecke zur Arbeit, lädt fast immer zu Hause über Nacht.
Sie decken 90 % Ihres Bedarfs mit günstigem Haushaltsstrom (oder einem speziellen Autostrom-Tarif). Öffentlich laden Sie nur selten. Deshalb reicht ein einfacher Basistarif ohne Grundgebühr – ein Abo würde sich nicht rechnen. Wichtig ist nur, dass die Karte breit akzeptiert wird.
🛣️ Autobahn-Vielfahrer
Viele Langstrecken, regelmäßig Schnellladen (HPC) an der Autobahn.
Für Sie zählt der kWh-Preis am Schnelllader. Hier lohnt sich ein CPO-Abo mit monatlicher Grundgebühr (z. B. IONITY Passport oder ein Viellader-Tarif), das den Preis pro kWh deutlich senkt. Ab wenigen Schnellladungen im Monat ist die Grundgebühr schon wieder drin.
🏖️ Urlaubslader
Wallbox zu Hause, extern laden nur im Urlaub – oft im Ausland.
Sie brauchen kein Abo, aber eine Karte, die europaweit funktioniert und keine hohe monatliche Gebühr kostet. Ein flexibler Tarif ohne lange Bindung (z. B. Maingau oder EnBW mobility+) ist ideal: das Jahr über günstig „ruhend“, im Urlaub überall einsatzbereit.
🌃 Laternenparker / Stadtlader
Keine eigene Wallbox, angewiesen auf öffentliches Laden in der Stadt.
Sie laden überwiegend an öffentlichen AC-Säulen im Viertel. Für Sie zählt ein guter, fairer AC-Preis und dichte Abdeckung in Ihrer Stadt – prüfen Sie, welcher EMP im lokalen Netz günstig ist, und meiden Sie hohe Blockiergebühren, wenn das Auto lange steht.
Tipp: Sie können jederzeit mehrere Ladekarten kombinieren – z. B. eine günstige Basiskarte für den Alltag plus ein Schnelllade-Abo für die Urlaubsreise. Welche Kombination sich für Ihr Fahrprofil rechnet, können Sie mit unserem Kostenrechner durchspielen.
Abo-Modelle & europaweites Laden
Viele Anbieter haben ein Abo im Angebot: Sie zahlen eine monatliche Grundgebühr und bekommen dafür einen günstigeren Preis pro Kilowattstunde. Grob gibt es zwei Sorten – und es lohnt sich, den Unterschied zu kennen:
1. CPO-Abos – günstiger im eigenen Netz
Diese Abos bietet der Säulen-Betreiber selbst an. Sie laden damit besonders günstig an seinen Säulen, an fremden dagegen normal. Ideal für Vielfahrer, die ohnehin meist dasselbe Netz nutzen.
- EnBW (Viellader-Tarif): EnBW betreibt eines der größten Schnelllade-Netze Deutschlands. Gegen eine monatliche Grundgebühr sinkt der kWh-Preis spürbar – attraktiv, wenn Sie regelmäßig an EnBW-Säulen schnellladen.
- IONITY (Passport): IONITY betreibt reine High-Power-Charger (bis 350 kW) an Autobahnen. Ohne Abo ist der Ad-hoc-Preis hoch; mit dem monatlichen Passport-Abo wird die kWh stark vergünstigt. Lohnt sich klar für Langstrecken-Vielfahrer, für reine Stadtnutzer dagegen nicht.
2. EMP-Tarife – eine Karte für ganz Europa
Diese Anbieter betreiben keine eigenen Säulen (oder nur wenige), sondern geben Ihnen per Roaming Zugang zu zehntausenden Ladepunkten quer durch Deutschland und Europa – mit möglichst einheitlichem Preis. Ideal, wenn Sie flexibel und im Ausland laden wollen.
- EnBW mobility+: Neben dem eigenen Netz eine der bekanntesten Roaming-Karten überhaupt – ein Tarif, riesige Abdeckung in DE und weiten Teilen Europas, alles über eine App. Es gibt eine Variante ohne und eine mit Grundgebühr (günstigere kWh). Guter Allrounder auch für den Urlaub.
- Maingau (EinfachStromLaden): Bekannt für einen einfachen, einheitlichen Preis pro kWh ohne Grundgebühr, nutzbar in vielen europäischen Ländern. An manchen Fremd-Säulen kann ein Roaming-Aufschlag anfallen – ansonsten ein unkomplizierter, flexibler Tarif ohne monatliche Fixkosten.
Merksatz: Grundgebühr lohnt sich nur, wenn Sie sie durch günstigere kWh wieder „reinladen“. Laden Sie viel unterwegs → Abo. Laden Sie meist zu Hause → Tarif ohne Grundgebühr. Preise und Konditionen ändern sich laufend – vergleichen Sie vor Abschluss immer die aktuellen Angaben der Anbieter.
Was kostet Laden wirklich – und warum ist Benzin so teuer?
Trotz aller Tarif-Verwirrung bleibt unterm Strich der wichtigste Punkt: Strom ist in aller Regel deutlich günstiger als Benzin oder Diesel. Rechnen wir ein typisches Beispiel für 100 Kilometer durch (grobe Richtwerte):
| 100 km mit … | Verbrauch | Preis (grob) | Kosten |
|---|---|---|---|
| Benzin | ~7 l | ~1,80 €/l | ~12–13 € |
| Strom zu Hause | ~18 kWh | ~0,30 €/kWh | ~5–6 € |
| Strom Schnelllader | ~18 kWh | ~0,55–0,65 €/kWh | ~10–12 € |
Selbst am teuren Schnelllader liegt Strom also etwa gleichauf mit Benzin – und zu Hause laden Sie für weniger als die Hälfte. Über ein Autoleben summiert sich das zu tausenden Euro Ersparnis.
Warum Benzin so teuer ist: Der Staat verdient kräftig mit
Der hohe Preis an der Zapfsäule entsteht zum großen Teil nicht durch den Sprit selbst, sondern durch staatliche Aufschläge. Bei Benzin machen Energiesteuer (Mineralölsteuer), CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer zusammen weit über die Hälfte des Literpreises aus – der reine Warenwert ist nur ein kleiner Teil. Auch beim Strompreis stecken Steuern, Netzentgelte, Konzessionsabgabe und Umlagen drin, aber der Trend geht durch den Ausbau der Erneuerbaren eher nach unten, während fossile Kraftstoffe durch die steigende CO₂-Bepreisung tendenziell teurer werden.
Wie sich Benzin-, Diesel- und Strompreise über die Jahrzehnte entwickelt haben und wie sich der Preis genau zusammensetzt, sehen Sie mit Diagrammen auf unserer Seite Energiepreise. Ihre persönlichen Kosten – abhängig von Auto, Fahrleistung und Tarif – berechnen Sie im Kostenrechner.